In memoriam: Schuller, Happy

Wer kannte ihn nicht: den rundum hochtalentierten, bewunderten und geliebten Mitschüler Happy (eigentlich Herbert Hans Bartel) Schuller.Schuller, Happy
*4. Mai 1942 in Amberg;
nach langer Krankheit † 2. März 1997 auch in Amberg,
Grab am Dreifaltigkeitsfriedhof.

In der a-Klasse wussten wir, dass er in allen Fächern Spitzen-Noten schaffte, und sei es, damit seine Modell-Eisenbahn vervollständigt wurde;  er konnte hart trainieren:  die aus einer Zigarrenschachtel selbst gebaute Geige sollte auch mit nicht banalen Stücken gut klingen; seine zwei Ohren konnte er, nach eisernen Üben vor dem Spiegel, zu unserem Erstaunen  von einander unabhängig willentlich bewegen.
Und viel wichtiger: Happy war ein zuverlässiger Freund.

Aber auch über die eigene Klasse hinaus war er in Amberg früh bekannt:  Seine Leistungen in der Leichtathletik  brachten der Oberrealschule Erfolge ein, Schulspiel und Orchester (Geige) konnten auf ihn bauen.
Happy auf Radtour
Beim ND konnte er sein kunstgestaltendes Talent früh entfalten. Oft auf Amberg beschränkt z. B. mit Illustrationen im „Silbernen Pfeil“,  oft auch in bundesweiten Publikationen.

Tausende Jugendliche sangen (und singen) aus dem „Rundadinella“,  das zu Happys frühen Werken zählt.
Umschlag Rundadinella (Schuller)

Schuller, Happy mit Bierkrug

Nach dem Abitur begann er 1962 eine Ausbildung als Maler an der Nürnberger  und der Münchner Kunstakademie. Möglicherweise fand Happy hier falsche „Freunde“, bei denen Spitzleistungen im Alkoholkonsum zählten, der  zu seiner Erkrankung und einem langen Leidensweg leider wohl auch mit beitrug.

Sein bei aller Belastung entstandes, beachtliches Lebenswerk bringt ihn in die Reihe der hervorragenden Amberger Künstler.
1969: Teilnahme an der Ausstellung „Amberg Progressiv“, 1968: Käferblume – ein Leporello mit neun Gedichten und neun Radierungen.  1975 Illustration des Buches „Unser liebes Amberg“ von Eckhard Henscheid, das sich kritisch mit den Amberger Spießbürgern auseinandersetzt.
Posthum war Happy  mit unserem Mitschüler Gerd Fischer Anfang 2009 in der Ausstellung „Amberger Kunst 1900 bis 2000“ vertreten:

Happy Selbstbildnis OhneTitel 65 Klick zur Vergrößerung des Buches
Happy Sterbebild außen Ausstellungsplakat mit Schuller Happy Sterbebild innen

Pressemeldung:

5. März 09 Amberg: Treffen von Happy Schuller und Keith Richards
Achim Hüttner über seine eigene Kunst und die seines Freundes
Zwei farbenfrohe, experimentierfreudige Maler begegnen sich in der heutigen, zwölften Folge des Besuchs in der Doppelausstellung in Stadtmuseum und Alter Feuerwache: Herbert „Happy“ Schuller und Achim Hüttner. Wobei Letzterer über Ersteren vor nicht allzu langer Zeit ein Buch herausgebracht hat. „Happy Schuller ist ein absoluter Farbtupfer“, sagt Achim Hüttner über seinen leider schon 1997 gestorbenen Freund. 1942 in Amberg geboren, studierte Schuller ab 1962 Malerei in Nürnberg und München, stellte schon 1968 bei „Amberg Progressiv“ aus und war natürlich gerne bei den Ausstellungen der Amberger Künstler dabei – als Gast oder Teilnehmer.

Happy Schuller war ein Original. Davon zeugt auch seine legendäre „Käferblume“, eine Mischung aus Gedicht und Radierung. Er kämpfte für die „alte“ Amberger Altstadt, rasierte sich schon mal den halben Kopf und Bart, um gegen oder für etwas zu demonstrieren. Leider war Happy Schuller aber auch sehr labil, was ihn mehrere Jahre in der Psychiatrie kostete. „Er war ein hervorragender Maler“, so Achim Hüttner über Happy Schuller. Einer, dem menschlich und künstlerisch beinahe ununterbrochen verrückte Dinge eingefallen sind. Unvergessen zum Beispiel seine Radierungen zur Henscheid-Schmähschrift „Unser liebes Amberg“.

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